Ist eine psychische Erkrankung nur ein persönliches Problem?

Vor mehreren Jahren wurde unser sozialpsychiatrisches Team von einer sehr guten Psychoanalytikerin unterstützt. Ich schätzte ihre Sicht auf die Klienten und uns sehr, weil sich vieles aus der Geschichte der Menschen und uns erklären lies. Was mir jedoch immer fehlte, war die Sicht auf die sozialen Zusammenhänge. Erich Fromm, ein ebenfalls von mir geschätzter Psychoanalytiker und Autor ( Die Kunst des Liebens, Haben oder sein), machte jedoch deutlich, dass das Individuelle und Soziale nicht zu trennen sei.

Wenn ich diese Sätze gerade so schreibe, kommen sie mir, gerade auch als tätiger Sozialarbeiter, etwas einfach daher, so als müsste es doch allen klar sein. Nun, in der täglichen Arbeit zeigt sich mir leider häufig, dass es nicht “klar” ist. Psychische Belastungen verbleiben häufig in individuellen Erklärungsmustern, die UN-Konvention für Behindertenrechte ein eher abstraktes Konstrukt, wie das Grundgesetz und die Menschenrechte. Dennoch bilden diese “Konstrukte” die Grundlagen unseres sozialen Lebens und Handelns.

Die Weltgesundheitsorganisation hat nun aktuell ein Projekt gestartet, welches die seelische Gesundheit (Mental Health) und die Menschenrechte in den Vordergrund stellt, dazu ein strukturiertes Programm erarbeitet, welches in verschiedenen Modulen Zusammenhänge erklärt und ein Bewusstsein für das Thema schaffen möchte.

Above all, a diagnosis or disability should never define a person because we are all individuals, with a unique personality, autonomy, dreams, goals and aspirations and relationships to others.

Leider gibt es dieses Manual derzeitig nur in Englisch. Dennoch finde ich den Ansatz sehr spannend, um die Bürgerrechte von psychisch erkrankten Menschen für sie selber und die Gesellschaft weiter mehr in das Bewusstsein zu rücken und Beteiligte in ihren Rechten zu stärken.

Denn bei aller finanziellen Diskussion im Rahmen von psychischer Erkrankung, von Bürgern in ihren Gesellschaften, sind Menschen- und Grundrechte nicht verhandelbar.

Vielleicht ist inspiriert dieses, sich tiefer mit dem Thema zu befassen.

Das WHO “QualityRights guidance and training tool” findet sich hier.

 

 

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