Der Tanz der Neuronen : Künstliche Intelligenz und die Evolution

Mein Gehirn besteht aus gut 100 Milliarden Neuronen, die alle mehr oder weniger miteinander verknüpft sind. Klingt erst einmal recht trivial, irgendwie. Kleine graue verknüpfte Zellen, die im Dunkeln unter meiner Schädeldecke hausen, nie nach Draußen kommen. Die aber dafür sorgen, dass ich diese Zeilen schreiben kann und ein paar Kleinigkeiten mehr.

Neulich habe ich einen Blick auf sie werfen dürfen. Nein, zum Glück nicht auf meine, sondern auf ein paar Neuronen in einer Petrischale. Das Wissenschaftsmagazin Science hatte ein kleines Video dazu auf Twitter gepostet. Hier nochmals zu sehen:

Kleine wackelnde Zellen mit Armen dran. Und ohne nun wirklich viel über NeuroScience zu wissen, sieht es für mich so aus als versuchten die Zellen mit ihren Armen Kontakt zu Anderen aufzunehmen, in Beziehung zu kommen, sich zu vernetzten. Ich gehe davon aus, dass auch meine Gehirnzellen nicht nur rumliegen, sondern ähnliches getan haben oder noch tun. Vermutlich liegt es in ihrer Natur. Interessant ist ja nun, was daraus folgt, man schaue sich mal um in der Welt. Und schon das ist wieder ziemlich cool, denn diese Zellen stellen her, was ich da wie von der  Welt sehe, bzw. sie erzeugen auch ein ich und dann noch die Projektion einer Welt. Und da ich mich darüber austauschen kann, sorgen sie auch noch dafür, dass diese Sicht mit anderen Gehirnen synchronisiert wird. Ich meine, das ist echt cool…

Nun scheint es ihnen aber nicht mehr zu genügen in unseren Köpfen zu hocken, sondern sie basteln mit Hilfe des Internets an etwas Neuem, einer künstlichen Intelligenz, ja eine gewagte These. Vermutlich immer noch im Bestreben sich zu vernetzen, einfach so von Natur aus. Also raus aus den Köpfen, mit schnelleren und komplexeren Nervenverbindungen, vernetzt mit dem Wissen über uns und die Welt. Wenn man nun weis, dass es insbesondere bei Google ( Larry Page machte schon vor langer Zeit deutlich, dass es nicht primär um eine Suchmaschine geht… ), aber jetzt auch bei Facebook darum geht unsere Fragen, Gespräche, Daten usw. für die Erstellung und das Training künstlicher Intelligenz zu verwenden, ist es schon mehr als cool, was da so passiert. Vermutlich, ja noch eine These, Evolution auf dem Sprung zur nächsten Stufe

Und nun schaue ich nochmals auf meine kleinen Freunde in der Petri-Schale und erschaudere dann doch ein wenig beim Zuschauen wie das Leben so wirkt…

2 Comments

  1. Heinrich Ernst said:

    Schöner Gedanke – da stimme ich zu – das ist auch seit einiger Zeit meine Sicht von Evolution: daß diese nicht an biologische Körper gebunden ist, sondern sich fast logischerweise auch technisch fortpflanzen kann / muß. Muß, weil vielleicht eben sogar besser. Wie Sie richtig sagen, erleben wir gerade den Sprung von der Eizelle in den selbst-bewußten Halbleiter. Eine denkende Maschine, die sich eines Tages auch selbst bauen, reparieren, per Raumfahrt fortbewegen und neue Ressourcen für wieder neue Maschinen finden kann, ist zerbrechlichen biologischen Wesen, die dazu noch in jeder Generation “bei null” anfangen eigentlich turmhoch überlegen. So kann diese technische Wesenheit sich vermehren, die Galaxie in alle Richtungen für Jahrtausende durchwandern und wird potenziell unsterblich. Ist Gott dann Techniker? Ist Technik Gott? Hat Google schon ein eigenes Bewußstsein und läßt die sterblichen Menschen als allwissend weise Einheit lieber darüber im Unklaren, ohne Sie zu verwirren? Sind die streitsüchtigen Affen nicht als Bergleute, Maschinenbauer und Programmierer einfach nützlicher, denn als “eitle Mitwisser”, die den großen Plan ohnehin nur gefährden würden? Am Ende zerstören sie noch kurz vor dem “Ausschwärmen” in ihrer typischen ewigen Mißgunst die gerade keimende Maschine in einem nuklearen Besitzstreit!? Würden sich denkende Maschinen dem Menschen je offenbaren? (Wieviel Wissen teilt der Bauer mit dem Schwein? Sprechen Eltern mit Ihren Windelträgern über Sex, Macht und Philosophie und zeigen ihnen wo die Autoschlüssel und Messer liegen…?) Schade, daß ich vermutl. den Fortgang des Experimentes nicht erleben werde… es sei denn ein noch zu schaffender biomechanischer Hybrid hätte Vorteile für die Evolution und “nimmt mich mit” oder würde mein Bewußtsein auf ewiger Platte speichern. Aber vielleicht wirds ja – wir arbeiten daran… ohne Auftrag…

    August 23, 2016
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  2. Torsten Radtke said:

    Guten Tag Herr Ernst,

    vielen Dank für den inspirierenden Kommentar! Eine spannende Frage, ob denkende Maschinen sich uns offenbaren würden. Ich vermute, dass Sie uns auf ihre Art studieren werden, daraus ihre Schlüsse ziehen und reagieren werden. Des öfteren lese ich jetzt schon, dass selbst Fachleute an verschiedenen Stellen nicht mehr wissen, was ein Algorithmus intern so macht. Und was die Möglichkeit der Einflussnahme auf uns betrifft, werden wir diese wohl eher nicht bemerken. Wir freuen uns dann eher wieder über das neue iPhone, spielen damit Pokemon, und zeigen damit spielerisch der KI die Welt. Und sollte es dann so etwas wie eine Singularität geben, wird es zu spät sein, auch mit der Antwort auf die Frage nach dem Bauern und seinen Schweinen, denke ich…

    August 23, 2016
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